- Tod eines Ministers -

 

 

 

98. Capitel

 

Es ist nicht unschwer zu erraten wie es jetzt weiter geht. Während die drei Hanseln aus Berlin, wie sie Mischa despektierlich nannte, was ja aus seiner Perspektive nur all zu verständlich ist und womit seitens des Autors keine einseitige Wertung getroffen werden sollte, Authentizität ist schlieszlich alles und angesagt, denn jeder macht hier seinen job und spielt hier seine Rolle so gut er kann ohne aus seiner Haut heraus zu können, also, um den Faden des Satzes wieder auf zu nehmen und zu einem Ende zu führen, die drei Hanseln aus Berlin fuhren also mit ihrem Dienstwagen in die Irre nach Frankfurt, denn dorthin war auch der iks drei vom Rastplatz Grafenhausen mit dem Peilsender unterwegs. Eine zusätzliche Fahndung durch die Kollegen von der Polizei hatten sich die drei gespart, denn früher oder später würde das Object ihrer Begierde, Michail Schanz, in Berlin Prenzlau auftauchen und das wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis sie Mischa habhaft werden konnten. In Frankfurt, der Bankenmetropole Deutschlands, glaubten die drei auf einer heissen Spur zu sein. Nicht zuletzt auch durch Leopold angestachelt, der meinte, das Geld förmlich riechen zu können, was demnächst im Ladefond des iks drei Platz fände. Kleine Fusznote am Rande: So ganz Unrecht hatte Leopold nicht. Dass es Leute gibt, die Geld riechen können, sei hier nicht bestritten. Irgendwo muss der Reichtum der Welt ja herkommen. Nicht jeder geht durch den Wald und sieht die Bäume nicht. Nur manche riechen das Geld, wo es sich nicht mehr befindet und manche riechen das Geld, wo etwas zu holen ist. Leopold hat seine Gier, deren Zeuge wir einige Capitel zuvor geworden sind, einen Streich gespielt. Das Geld befand sich bereits im Fond des iks drei, war jedoch, wie wir wissen, bereits verladen worden, als er auf dem Rücksitz Platz nahm. Vielleicht wollte er es in diesem Moment nicht wahrhaben und tröstete sich, es doch auf zu bringen. Seiner Meinung standen die Vorzeichen günstig genug. Frankfurt als Bankenstadt und Umschlagplatz für legale und illegale finanzielle Transaktionen lag zweifellos im Bereich des Möglichen. Wer sagte nicht, dass Michail Schanz, sein Object der Begierde, dort das gesuchte Geld einsammelte, was aus der Schweiz angewiesen worden war. Mit dieser seiner Theorie veranlasste er seine beiden Kollegen, die der Amtshilfe allmählich überdrüssig waren und lieber directement nach Berlin gefahren wären, dem Peilseinder zu folgen, zumal dieser samt Fahrzeug plötzlich in einer Tiefgarage im Bankenviertel verschwunden war. Wir lassen den Leser jetzt erst einmal allein, damit er genügend Phantasie entwickeln kann, was dort passierte und wenden uns Mischa zu, der über die Landstrasze, im langen Kielwasser des Buick mit Wagner am Steuer auf einem geruhsamen Weg nach Spechthausen war.

 

*

 

Es war Mischa eigentlich egal, ob er Wagner einholen würde oder nicht, obwohl die Chancen nicht schlecht standen. Der iks drei besasz ein Navigationsgerät, das Mischa erleichterte jeweils den kürzesten Kurs nach dem gut 6oo Kilometer entfernten Spechthausen zu nehmen. Manchmal hatte er allerdings das Gefühl, als würde er Umwege fahren und er wäre mit der Orientierung nach einer einfachen Landkarte besser bedient. Vielleicht aber würde Mischa Wagner auf einem der vermeintlichen Umwege infolge der gröszeren Geschwindigkeit des iks drei früher oder später, ohne dass es einer von dem anderen wusste, überholt haben. Mischa reflektierte das weitere Vorgehen. Die grosze Linie hatte er im Kopf. Es ging dann aber immer noch um die Details. Da der Teufel bekanntlich im Detail steckte, hielt er sich nie lange auf, Aussagen über Ereignisse in der Zukunft zu machen, sondern entschied, wenn es soweit war, aus dem Bauch heraus. Erstens kam es immer anders als man dachte und zweitens gab es immer noch genügend Alternativen, die vorher gedanklich verstellt waren und sich erst dann anboten, als er mit der Situation konfrontiert wurde. Das sparte eine Menge Zeit mit unnützen Gedanken und der Kopf war frei für unabhängige Gedanken. Die drei Hanseln, um jetzt wieder den Handlungsfaden auf zu nehmen und sich nicht allzu sehr in tiefenpsychologischen Verhaltensstrategien zu verlieren, kannten zwar seine Adresse in Berlin am Kollwitz-Platz, die Adresse in Spechthausen lief über Wagner. Im Zweifelsfalle würden sie sich, nachdem sie den Peilseinder am falschen Fahrzeug ausfindig gemacht hatten, trennen und entweder ihn in Berlin erwarten oder Wagner in Sprechthausen observieren. Dass die Fälscherwerkstatt nicht weit von Wagners Wohnadresse entfernt war, sich so zu sagen schräg gegenüber befand, gab dem ganzen Unternehmen noch einen zusätzlichen Kick, vorausgesetzt die beiden Fahrzeuge parkten nicht gerade für jedermann sichtbar auf dem Hof der alten Papierfabrik. Jetzt war es auch an der Zeit, sich ein paar Gedanken über die Verteilung der Geld zu machen. So einfach einer Bank die Taschen voll Geld auf den Tresen zu legen, ein Konto zu eröffnen und die Geldüberweisungen per online von beiden Fälschern in Spechthausen vornehmen zu lassen, schien nach dem Geldwäschegesetz schier unmöglich. Auch das Geld zu stückeln, hier ein Konto bei der einen und dort ein Konto bei einer anderen Bank und so on and so forth, schien genau so abwegig. Kommt Zeit, kommt Rat, dachte Mischa bei sich und beschleunigte den iks drei auf gerader Strecke fast bis zum Anschlagpunkt der Tachonadel.

 

 

Unter die Räder gekommen

 


So gern Mischa in diesem Fall geholfen hätte,
als er den Truck mit der Lady darunter auf einem Parkplatz bemerkte,
es war zu spät nach der Passage problemlos an zu halten oder gar um zu kehren.
Seine Gedanken kreisten um die nächsten Schritte, und Prioritäten mussten gesetzt werden.
Er konnte sich keinen ausserplanmäszigen Aufenthalt leisten,
nachdem es nur noch eine Frage der Zeit war,
bis seine Verfolger die falsche Fährte mit dem Peilsender gewahr wurden.
Ausserdem würde so eine Situation, in der eine Frau an einem Auspuffrohr eines Trucks zu Gange war,
nicht lange auf einen Kavalier warten müssen,
der ihre wie auch immer zur Seite stände oder lag.
Die alte Geschichte mit dem dressierten Mann und der Frau mit dem Radschlüssel in der Hand.
Ein Mechanismus, Archetyp muss man schon sagen,
der die Hilfsbereitschaft männlicher Mitglieder der Gesellschaft in jedem Fall positiv herausfordert.
Ein bisschen Hilfe, so en passant,
die nicht viel kostet, ausser ein bisschen Zeit,
und die Aussicht auf ein amourösen Abenteuer
- ebenso en passant -
sozusagen als Belohnung,
passen ganz gut zusammen.
Wer kann und mag da widerstehen?

 

© 2010 by Baron von und zu Bourderlahyne-Esterhazy
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